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Williams im Windschatten von Mercedes

Mercedes ist der Branchenführer der Formel 1 – das ist bekannt. Dass aber Williams den Silberpfeilen in Spielberg fast ebenbürtig war, hat viele überrascht. Auch die Teamchefin.

Spielberg – Ein besseres Finale fürs Heimspiel hätte sich Toto Wolff nicht wünschen können. Der Österreicher war am Sonntag in Spielberg ein Vierfach-Gewinner. Als Mercedes-Motorsportchef freute er sich mächtig über einen Doppelsieg, als Teilhaber am Williams-Rennstall (und Ehegatte von Williams-Testfahrerin Susie Wolff) war der 42-Jährige stolz auf die Plätze drei und vier für Valtteri Bottas und Felipe Massa. Nach der Siegerehrung strahlte Wolff, doch er musste zugeben, dass er lange um dieses Ergebnis gebangt hatte. Die Silberpfeile machten ihm Sorgen. „Ich war während des Rennens ganz und gar nicht entspannt“, gestand der Mercedes-Mann, „wir mussten in Sachen Kühlung und Bremsen ziemlich viel managen.“

Die Fahrer Nico Rosberg und Lewis Hamilton hielten sich penibel an sämtliche Befehle vom Kommandostand und stellten den sechsten Doppelsieg der Saison sicher. „Das war nicht einfach, die Vorgaben zu erfüllen“, sagte der Wiesbadener, „jetzt freuen wir uns über den Erfolg. Das war super: Die Fans, die gigantische Atmosphäre – ich bekam Unterstützung, als sei ich in Deutschland.“ Bei Mercedes war die Freude auch deshalb groß, weil das Team nach den enormen Kühlproblemen der Hybrideinheit in Kanada bewiesen hat, dass der Schwachpunkt gefunden wurde und das Problem beherrschbar ist. „Dieses Zeichen zu senden, das war wichtig nach dem schwierigen Rennen in Montreal“, sagte Rosberg. Wer von der Konkurrenz gehofft hatte, Mercedes würde schwächeln, der wurde enttäuscht – die Silberpfeile sind weiter das Maß aller Dinge. „Mit diesem Auto, das macht einen Riesenspaß“, sagte der Sieger, „ich hoffe, dass ich in Silverstone meinen WM-Vorsprung ausbauen kann.“

Nicht nur der Williams-Teilhaber Wolff, auch Teamchefin Claire Williams war baff, dass Bottas und Massa hinter dem überlegenen Mercedes-Duo ins Ziel gekommen waren. Am Samstag hatte Felipe Massa sogar die Pole-Position erobert und ziemlich jeden Experten überrascht. „Dass es im Rennen nicht geklappt hat, Mercedes wie im Qualifying hinter uns zu halten, war zu erwarten“, sagte die Tochter von Rennstall-Gründer Frank Williams, „deshalb kann ich mich sehr die Plätze drei und vier freuen.“ Vor allem die Podiumspremiere für Valtteri Bottas machte die 37 Jahre alte Britin mindestens so glücklich wie den Finnen. „Er hat das verdient. Vor allem nach dieser Desaster-Saison im vergangenen Jahr.“ 2013 holte die Mannschaft aus Grove lediglich fünf WM-Pünktchen, nur die chronisch finanzschwachen und erfolglosen Hinterbänkler Marussia und Caterham waren noch schlechter.

So mancher Experte befürchtete das Schlimmste bei Williams, erst der Wechsel des Motorenlieferanten stoppte den Niedergang – statt auf Renault-Motoren setzt Williams seit dieser Saison auf Mercedes-Power; was nicht ganz zufällig auch damit zu tun hat, dass Teilhaber Wolff gleichzeitig Mercedes-Motorsportchef ist. Dank des zuverlässigen Antriebsstranges aus Brixworth fährt Williams nun im Windschatten der Silberpfeile, die Fahrer mischten häufig in den Punkterängen mit: Massa sammelte 30, Bottas schon 55 Punkte. „Ich bin sehr glücklich – schwer, das in Worte zu fassen“, sagte der Finne in Spielberg, „Dank ans Team, denn Williams fährt seit Jahren hinterher. Aber heute war das Auto gut genug fürs Podium.“

Auch Susie Wolff zählte zu den Gratulanten des 24-Jährigen, und die gebürtige Schottin freute sich auf die große Party am Sonntagabend. „ Für die Wolff-Familie kann es natürlich nicht besser laufen als heute“, sagte sie. Wo der Vierfach-Erfolg gefeiert wurde, das wollte sie aber nicht verraten.